Spiekerooger Segelclub SSC

...Wassersport auf Spiekeroog

  • Schrift vergrößern
  • Standard-Schriftgröße
  • Schriftgröße verkleinern
Start

Eine Legende schreibt sich neu

E-Mail Drucken PDF

Eine Legende schreibt sich neu

55 Jahre sind vergangen, seit er ein letztes mal in den Gewässern vor der Insel Spiekeroog segelte.
Hochseesegler Dr. Dr. Wolf Michael Iwand kehrte nach langer Zeit dahin zurück wo alles begann.
Spiekeroog Pfingsten 2014  copy
Wir schreiben das Jahr 1960, Spätsommer, der Herbst steht vor der Tür. Vogelstimmen sind zu
vernehmen, ansonsten schwebt noch Stille über dem Wattenmeer vor Spiekeroog. Ruhig
schwimmen 4 Boote vor Anker auf Reede südlich der Insel. In der Ferne sind ein paar hüpfende
Punkte auszumachen, die sich zügig der Wasserkante nähern. Bald erklingt das platschende
Geräusch von sich durch das Watt kämpfenden Gummistiefeln. Ein Trupp junger Männer nähert sich
den Booten, erreicht sie, lichtet Anker, hisst Segel. Ein lauter Knall hallt über die fast glatte See,
eröffnet die mittlerweile legendäre Seestern-Gedächtnis-Regatta .

Zurück in die Gegenwart: Dieses Jahr fiel der Startschuss zum 55. Mal infolge vor Spiekeroog. Zwei
Bootsführer von jenem lauen Tag 1960 gaben sich wieder die Ehre, an den Start zu gehen.
Einst vor 55 Jahren segelten Michael Iwand und Wolfgang Steude als Konkurrenten.

Seinerzeit waren sie die Favoriten der besagten Truppe von Herman Lietz Schülern. Drahtzieher des
Wettstreits war Iwand, er lud zu einem Rennen unter den eigenen Booten ein. Eine Premiere für den
damals 18jährigen und Auftakt einer langen Liste hochkarätiger Regatten andernorts.
4 Segelboote traten an, darunter die Neptun, ein zweimastiger Kutter, an jenem Tag das Boot von
Wolfgang Steude und einst das Lehrboot von Iwand. Dieser bildete die Konkurrenz mit der
Albatros, einem 30iger Jollenkreuzer. Ebenso von der Partie, Shanty und Unkel Bernd.
Bei der geringen Teilnehmeranzahl wurden keine Boots-Klassen, wie sonst üblich, eingeteilt. Jeder
segelte gegen Jeden. Der Kurs war ein anderer, die für Regatten typische in Dreieck abgesteckte
Strecke wurde dabei eingehalten.
Gestartet wurde im Gebiet süd-westlich unter der Insel. Siegerehrung und anschließende
Festlichkeiten feierte die Bootsbesatzungen am alten Anleger, der in den Sechzigern als Hafen in
Betrieb war. Einen Pokal gab es in jenen Tagen nicht. Ausgerechnet das langsamste Schiff gewann,
Steuermann Steude wusste die Strömungen geschickt auszunutzen, trickste die anhaltende Flaute
aus. Als dramatisch und rasant lässt sich die Regatta von damals wohl nicht bezeichnen, als
einmalig allemal.
Spiekeroog Pfingsten 2014  copy2
Ein Jahr bevor Iwand sein Abitur an der HL-Schule absolvierte, gelangte das Boot Albatros an die
Schule. Der Jollenkreuzer wurde in seine Obhut, übergeben. Im vorhergehenden Herbst war ein
Schulboot, auf dem er der erstmals zum Yachtführer wurde, abhanden gekommen. Die wütende
See riss ein Leck in „die Seestern“, ließ sie sinken. Jegliche Versuche das Schiff zu reparieren
blieben vergebens. Ihre letzten Tage verlebte die Seestern als Spielschiff im Garten eines
Insulaners. In Gedenken an dieses Boot, taufte der spätere Admirals Cup-Gewinner, die Regatta auf
den Namen Seestern-Gedächtnis-Regatta .
„Die Seestern war etwas ganz besonderes für mich, wie meine erste Braut“,sagt der dreifache
Weltmeister,“ sie war das erste Sportboot das 1928!!! auf der Insel seine Heimat fand, mit ihr
begann eine neue Ära.“

Auf See zwischen dem Festland und der kleinen Insel Spiekeroog, entflammte Mike Iwands
Leidenschaft für die Segelei. Vom rauen Nordseewind geformt führte ihn seine Karriere als Segler
schließlich über die Meere der Welt. Der ehemalige Lietzer ist sich sicher, dass die schulische
Ausbildung und der Segelsport auf der Insel, seinen Weg mit bestimmten. „Wir waren sehr
leistungsorientiert und haben strenge seemännische Regeln an Bord befolgt.“ Wer zur See fährt
arbeitet unter barschen Bedingungen.

Lange Zeit war der international bekannte Segler nicht zu Besuch auf seiner früheren Schule
gewesen. Ein halbes Jahrhundert verstrich, bevor er wieder einen Fuß auf die kleine Insel setzte.
Vieles hatte sich verändert, Vieles war vertraut.
Mit dem Gedanken an sein altes Schulboot welches er zuletzt segelte bevor er dem Eiland
Aufwiedersehn sagte, ging er in den Hafen.
Dort wartete eine Überraschung auf ihn. Am Steg des Spiekerooger-Segel-Clubs lag sie, mittlerweile
eine alte Dame, dennoch gut in Form. Die Albatros hatte all die Jahre überdauert. Generationen von
Hermann-Lietz -Schülern verbrachte lange Wintertage, einer Kiste Werkzeugen und viel Geduld mit
ihr. Als Ansporn den kommenden Sommer vor Augen, um mit ihr, wieder hinaus aufs Wasser zu
können.
Damit der Sensationen nicht genug erfuhr er, dass sein Wettkampf ebenso überlebt hatte, sogar
zum alljährlichen Ereignis gewachsen war! Über 50 Jahre Zeit formten die Regatta und verbreiteten
Kunde von dem Kontest in sämtliche Windrichtungen. Heute reisen um die 100 Boote zu Pfingsten
an, darunter auch ein weiterer ehemaliger Weltmeister der 505 Klasse, Claas Lehmann. Er ließ sich
bereits des öfteren anlocken, segelt den durchaus anspruchsvollen Kurs immer wieder gern.
Begeistert von der Initiative der Insulaner, seine Regatta bewahrt, ausgebaut und voran getrieben
zu haben, schuf Iwand einen Pokal eigens für den Spiekerooger Segel Club. Die Verwandlung von
dem Wettstreit des Hermann Lietz Schule Segel Clubs, zu dem was die von SSC organisierte
Regatta heute ist, imponierte ihm. Da kein anderer Name infrage kommen konnte, erhielt dieser den
endsprechenden Titel: Seestern-Gedächtnis-Pokal.
Es begab sich, dass die Legende neu geschrieben werden sollte. Der Spender wurde
herausgefordert ein zweites Mal, zur Gedächtnis-Regatta anzutreten. Tatsächlich war das Spektakel
von 1960 für ihn eine einmalige Begebenheit.
Michael Iwand genannt „Mike“ nahm die Herausforderung an.
Selbst berichtete er über die Vorbereitungen, „ich habe ein Team gewählt, welches zu diesem
Ereignis passt“. Dabei durfte Wolfgang Steude keinesfalls fehlen, dazu stießen Axel Hoppenhaus als
langjähriger Betreuer der Albatros und Florian Kay, mit 19Jahren der jüngste an Bord. Im Vorfeld
wurde diskutiert, wie sich die Crew vorbereiten wollte. Ein entscheidender Punkt der Debatte war
die Albatros selbst. Iwand beschloss, das Boot pur und zu Inselbedingungen zu segeln. „Hier wäre
es völlig unpassend gewesen das Boot aufzurüsten, um ein technisches Wettrüsten zu
veranstalten. Das hätte dem Geist der Veranstaltung widersprochen“, fand der gestandene
Hochseesegler. „Die Albatros ist nun einmal ein alter Jollenkreuzer und kein Rennpferd. Mit dieser
Tatsachen gingen wir bewusst an die Materie heran.“
Am Tag der Regatta zeigte sich die Nordsee zu Beginn freundlich. Albatros legte einen sauberen
Nullstart hin. Die frisch zusammengestellte Crew segelte drauflos, Schaumkronen tanzten im
Kielwasser des 9 Meter langen Bootes. Zweimal galt es, den angesetzten Kurs abzusegeln, in der
ersten Runde befand sich die Albatros im Führungsfeld. Später verübelte sich die Laune der See,
ein Schauer trübte die Sicht. Schließlich besiegelte eine Flaute die letzten Meter der Wettkamp-
Strecke. Ironie des Schicksals, möchte man an die erste Regatta zurück denken.

Spiekeroog Pfingsten 2014  copy1

Die mit Spannung erwartete Auswertung der Ergebnisse, ergaben am Ende einen 3ten Platz für die
„alte Dame“ Albatros. Sieger wurde die „Tot Ziens“. Den zweiten Platz ersegelte „Klapstool“,
Eigentümer Hans Ludwig Wiethorn, übrigens Anstifter der Herausforderung an Iwand.
Sportlich kommentierte der erfahrene Segler das Resultat “wir sind sehr zufrieden. Es wurde fair
gesegelt, es gab keine Proteste“, betont ergänzte er “wichtig war es uns, eine gutes Bild mit der
Albatros abzuliefern. Das ist uns gelungen“. Einen Pokal bekam er dann am abend auf dem
Regattaball doch noch überreicht. Den Wanderpokal für besondere Verdienste im SSC ein
Vermächtnis von Bundespräsident Johannes Rau. Er schenke dem Verein den Wanderpokal, aber
das ist eine andere Geschichte.
Ruhe kehrte im Wattenmeer vor Spiekeroog ein. Bis kommendes Jahr wieder Vorbereitungen zur
Seestern-Gedächtnis-Regatta getroffen werden. Dann zum 56. Mal.
TEXT/ Photo : Julia Bauer
Mail-Anhang