Spiekerooger Segelclub SSC

...Wassersport auf Spiekeroog

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Bericht aus dem Contender Lager

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Contender Spiekeroog 2011

 

Und so war es für den Präsi:

Gilbert klebte gerade noch die letzten Platten Progrip ins Boot, als mein Handy klingelt. Und wer ist dranßen. – Der Hannes. Er erzählt, dass er gerade an der Mosel sitzt, aber übermorgen doch ganz gerne auch mit uns nach Spiekeroog segeln würde und ob wir ihm nicht ein Boot mit einpacken könnten. Naja, gesagt getan. So fahren also tags darauf Bastian, Martin, Sebastian, Gilbert und ich (samt Tanja & Yannick) am Freitag von Potsdam aus in Richtung Nordsee. Hannes arbeitet sich derweil mit Anja & Tore im Westen immer weiter durch diverse Staus Richtung Norden. Und siehe da – schwupps – ist man da, in Neuharlingersiel.

Samstag morgen, Hochwasser war um 8:00 Uhr, so gegen neun kommt dann auch etwas Leben in unsere Truppe – Kaffee, Müsli & Brötchen. Manfred, der sich in diesem Jahr auch mal wieder für das kleine Abenteuer entschieden hat, ist allerdings schon dabei seinen Wurstwagen auf die Fähre verladen zu lassen. Tja, „wer hat, der kann“, aber nach eingehender Recherche hat er die Variante Hotelzimmer abgewählt und lässt nun sein rollendes Hotel samt Boot einfach komplett übersetzen. Gilbert zweifelt derweil doch ein wenig an seinem Tun – hat er sich als Einsteiger doch zuviel vorgenommen? – doch wenn alle anderen auch .... Und da kommt auch der Klaus in den Hafen. Seit Jahren hat ihn keiner mehr auf dem Contender gesehen, aber dieses Jahr will er einfach auch mal wieder. So, nun noch die Zelte, Schlafsäcke und anderes Gepäck auf die Fähre gepackt und dann ist man ja eigentlich fertig. Ach nee, das Auto muss noch weg, aber wo war noch der Schlüssel? Ach ja, der ist ja in der Tasche und die ist schon auf der Fähre. Also bleibt Gilberts Auto diesmal wohl am Slip stehen. Nun die Boote ab ins Wasser.
So laufen wir zu acht in den Spiekerooger Hafen ein. Nun noch Zelte aufbauen, Meldung ausfüllen, gemeinsames Abendessen und abends steht noch das Konzert von Johnny Glut im Westend an. Dorthin schaffen es aber nicht mehr alle. Aber die, die da waren, sind schon schwer beeindruckt – nicht nur von der Musik ;o) Ich hab’s auch nicht geschafft, Irgendwie haben wir die Tür im „blanken Hans“ wohl nicht mehr rechtzeitig gefunden und sind gleich da versackt. Das hat aber den Vorteil, dass ich dort noch den Wettfahrtleiten treffe. Beeindruckt von der großen Meldezahl der Contender (11) wird spontan entschieden uns eine extra Bierkiste auf die Sandbank zu stellen. Und welche Marke wir denn bevorzugen würden. Wo gibt es sonst so einen Service????
Irgendwann am Sonntag muss man dann aber doch aufstehen. Spätestens zur Steuermannsbesprechung um 10:30 Uhr sind dann auch wieder alle an Deck. Und für diejenigen, die noch nie hier waren ist das auch wichtig. Der 18 sm-Kurs ist doch ein wenig anders als das sonst übliche Dreieck. Der Kurs liegt im Watt und ähnelt mehr einem L, gestartet wird nicht gegen den Wind sondern Richtung Südosten, eine Bahnabkürzung wird durch hissen von Spiekeroogflaggen signalisiert, Frühstarter werden über Funk bzw. Zuruf informiert, etc. Der Wind ist schwach als wir auslaufen. So brauchen wir doch eine ganze Zeit, bis wir die Startlinie erreichen. Hier steht der Strom genau gegenan. Noch ein paar Probierschläge, dann versammeln sich die meisten doch auf der Sandbank direkt neben dem Startschiff. Etwas weiter liegt ein Seehund auf der Sandbank. Auch er beobachtet das träge treiben der Boote. 15 min vor dem Start machen wir uns dann auf den Weg zur Linie. Etwa 5 min stehe ich im Gegenstrom direkt drauf. Dann nimmt ein Jollenkreuzer mal kurz Maß und „vertreibt“ mich. Also noch mal außen rum und einen neuen Anlauf genommen. Wieder liege ich neben Bastian am Schiff. Hannes lässt sich derweil von links in die Linie treiben. Noch knapp ein Minute bis zum Start, hinten schreien sie plötzlich, zwei Dickschiffe nutzen ihre Masse und drücken sich mit Schwung durch das Pulk der Jollensegler. Voller Ignoranz fahren die beiden zwischen mir Bastian durch – na toll! Er kommt in Luv noch ganz gut frei. Für mich in Lee der beiden scheint der Tag gelaufen. Zu weit im Pril kann ich mich gerade auf der Linie halten.
Der Strom ist zu stark um vorwärts zu kommen, dazu die Abwinde der beiden Dickschiffe ... Nach einer gefühlten Ewigkeit komme ich aber doch langsam von der Linie frei und langsam der rettenden Prilkante näher. Jetzt das Ruder hoch und Hannes und Bastian hinterher. Die beiden haben die Ruder noch unten. So segeln sie weiter im Pril und damit im stärkeren Strom. Ich kann aufschließen. Aber die beiden sind ja nicht doof. Sie erkennen was mich nach vorne gespült hat und klappen ihre Ruderanlagen hoch. Derweil hat sich auch Klaus von hinten dazu gesellt. Um mit den dreien mithalten zu können gibt es nur noch eins. Ruder raus, Schwert fast ganz hoch und noch weiter ran an die Kante. So segeln wir langsam der ersten Tonne entgegen, immer wieder peilend, ob man denn überhaupt noch Fahrt über Grund macht oder nicht. Dann geht es um die erste Tonne, 180°-Kehre und den Pril wieder runter. Irgendwann schläft der Wind völlig ein. Wir treiben mit dem Strom, zum Glück in die richtige Richtung. Unterwegs treffe ich einen Cat der uns entgegenkommt. Minutenlang treiben wir nebeneinander her, allerdings will er ja eigentlich noch in die andere Richtung ... Endlich an Tonne Zwei ist das Pulk wieder dicht zusammen. Die ersten 6-7 Contender trennen kaum hundert Meter. Jetzt links abbiegen und die Frage, wo zieht der Strom am meisten? Links wo es tief ist? Rechts in der Außenbahn? Salomonisch in der Mitte? Ich habe keine Ahnung. Mal hier mal da geht was. Hinten fangen sie jetzt an zu kreuzen Aber die Plattbodenschiffe (die bei dieser Regatta einen anderen Kurs fahren und die gerade draußen ins Gatt einfahren) fahren alle sehr tiefe Kurse, also durchhalten. Außerdem scheint meint Mittelweg sich auszuzahlen.


Langsam aber sicher entkomme ich der Verfolgermeute. Der Abstand ist inzwischen beträchtlich. Und dann sehe ich sie kommen. Direkt aus dem Gatt kommt sie auf mich zu, diese dunkle Linie, die man sonst nur vom Gardasee kennt. Wind!! Ich bekomme ihn als erster! Als ich ins Trapez gehe liegen die anderen noch träge in ihren Booten –YES! Das Leben kann so schön sein!! ;o) Mit einem Riesvorsprung gehe ich um die letzte Tonne. 180° Kehre und nur noch gerade ab ins Ziel. Hannes kann nur lachen als er mich kommen sieht. Als er & Bastian um die Tonne gehen kann ich ihre Segelnummern nicht mal mehr erkennen. Doch Sch... was ist das. Der Wind kommt nicht mit. :o( Flaute bei mir während jetzt die anderen mit Druck von hinten aufkommen – och nöh! Ich segele jetzt hoch am Wind und kann das Ziel nicht anliegen. Die Jungs hinten kommen raumschots immer noch mit Druck – boah ...! Aber so langsam rückt der Wind nach, endlich kann ich auch wieder ins Trapez. Geschafft! Nach über zwei Stunden endlich im Ziel (zum Vergleich, vor 2 Jahren haben Dirk und ich hier die doppelte Strecke in der Hälfte der Zeit absolviert)! Ich muss gestehen, eine Regatta mit so vielen Hochs & Tiefs zwischendurch bin ich lange nicht mehr gesegelt. Aber es war trotzdem unglaublich schön. So nun kommt der gemütliche Teil, rechts abbiegen, Segel auf, rauf auf die Sandbank, Bier auf, genießen. Bastian & Hannes sind auch gleich da. Dann Klaus, Sebastian und der ganze Rest. Gemütlich sitzen wir in der Sonne auf der Sandbank und lassen uns das Bier schmecken. Herrlich! Der Wind nimmt jetzt weiter zu. Wir entscheiden uns noch mal zum reinen Genusssegeln abzulegen. Segeln vom Feinsten. Aber irgendwann ist auch mal Schluss, also wieder rein in den Hafen und landfein gemacht. Denn heute ist ja noch Programm. Die Regatta ist ja nicht alles. Was jetzt noch kommt ist der legendäre Regattaball. Anfangs schaut unsere „Jugendgruppe“, bestehend aus Gilbert, Martin & Bastian ja noch etwas sparsam, aber später entdecken auch sie die wilden Tanzbären in sich. Und sogar Manfred taucht im Verlaufe des Abends auf der Tanzfläche auf. Mehr will gar nicht dazu sagen. Wer mehr wissen will, muss es halt selbst ausprobieren.
Montag, Tag der Rückreise. Wo gestern noch die Sonne vom Himmel lachte sind heute eine Reihe von Wolken. Wo gestern noch die Austernfischer die einzige Lärmquelle waren klappern heute die Fallen und pfeifen die Wanten. Wir haben gut Druck in der Luft und dummerweise genau aus Süd. Das heißt wir müssen direkt gegenan kreuzen, und das im Pril. Na wunderbar. Aber was hilft es, rein in den Neo, Segel hoch und los. Martin & Gilbert müssen dann aber doch die Segel streichen, heute ist definitiv kein Anfängerwind mehr. Zum Glück ist Dirks Familie mit ihrem Dickschiff vor Ort und nimmt die beiden auf den Harken. Der Rest düst mit reichlich Druck in Richtung Süden. Segeln kann so schön sein! Naja dann noch mal gefühlte 100 Wenden um im Pril nach Neuharlingersiel nicht aufzulaufen und dann ist dieses wunderbare Wochenende leider schon zu Ende. Aber wer weiß – nächstes Jahr ...



Andreas Voigt

GER-11